Alkoholmissbrauch

 

Alkoholmissbrauch oder Genuss?

 

Regelmäßig ein Feierabend-Bier oder ein Gläschen Rotwein zum Essen: Ist das Alkoholmissbrauch oder Genuss? Die Antwort unterscheidet sich in der Regel nach den Gewohnheiten desjenigen, dem diese Frage gestellt wird. Der Bier- oder Weinlieber wird wohl verneinen, dass sein Konsum Alkoholmissbrauch sein könne. Suchtforscher oder trockene Alkoholiker hingegen dürften sicher antworten: Täglicher Alkoholkonsum ist zumindest ein starker Hinweis auf Alkoholmissbrauch.

Kriterien für Alkoholmissbrauch

Auch wenn Stammtisch, Werbung und immer wiederkehrende Meldungen über den gesundheitlichen Nutzen von Alkohol es anders darstellen: Sucht- und Gesundheits-Experten sind sich einig, dass Alkohol an sich insgesamt keinen gesundheitsfördernden Nutzen hat. Die Diskussion über einen risikoarmen oder gar risikofreien Alkoholkonsum im Gegensatz zum Alkoholmissbrauch oder zum Alkoholismus wird nach wie vor kontrovers geführt. Mittlerweile hat sich ein Standard durchgesetzt, nachdem das Risiko des Alkoholkonsums bewertet wird.

Alkoholmissbrauch ab riskantem Konsum

Die folgenden Angaben für den Alkoholmissbrauch beziehen sich auf den reinen Alkoholgehalt in Gramm pro Tag. Damit Sie leichter umrechnen können: Ein normales Bier (0,33 Liter) enthält etwa 13 Gramm reinen Alkohol, ein Glas Wein (0,2 Liter) etwa 16 Gramm. 5 Gläser Wein pro Tag oder 3 Maß Bier erfüllen damit die Kriterien für den Alkoholkonsum eines Alkoholikers.

  • risikoarmer Alkoholkonsum:  bis 12 Gramm/Tag für Frauen; Männer bis 24 g/Tag
  • riskanter Alkoholkonsum (Vorstufe zum Alkoholmissbrauch): zwischen 12 und 40 g/Tag für Frauen; Männer zwischen 24 und 60 g/Tag
  • gefährlicher Konsum (Alkoholmissbrauch): 40  bis 80 g/Tag für Frauen; Männer zwischen 60 bis 120 g/Tag
  • Alkoholismus: mehr als 80 g/Tag für Frauen; Männer mehr als 120 g/Tag.

Alkohol wird oft verharmlost

Bei der Diskussion um Alkoholmissbrauch oder Genuss wird die Gefahr durch die Droge – und das ist Alkohol nun einmal – immer wieder verharmlost. Wer regelmäßig trinkt oder Alkohol missbraucht, lebt gefährlich. Alkohol tötet nach Angaben des Statistischen Bundesamtes jährlich etwa 15.000 Menschen. Damit kommen 18 direkt alkoholbedingte Todesfälle auf 100.000 Einwohner. In dieser Statistik nicht enthalten sind mit Alkohol indirekt in Zusammenhang stehende Todesfälle. Hier wären etwa Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss, Tötungsdelikte im Rausch oder Suizide infolge von Alkoholismus und begleitenden psychischen Erkrankungen zu nennen. Das Deutsche Rote Kreuz beziffert die Zahl der direkten und indirekten Todesfälle durch Alkoholismus und Alkoholmissbrauch auf 40.000 im Jahr.

Zahlen und Fakten über Alkohol

Rein statistisch trinken Deutsche etwa 107 Liter Bier und 25 Liter Wein oder Schaumwein pro Jahr. Den Löwenanteil davon, mehr als 90 Prozent, trinken weniger als 10 Prozent der Erwachsenen.
Der Bund hat nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) 2010 etwa 4 Milliarden Euro an alkoholbezogenen Steuern eingenommen. Die Werbewirtschaft erzielt in diesem Zeitraum mit Alkohol einen Umsatz von 525 Millionen Euro.
Den wirtschaftlichen Schaden durch Alkoholismus (Behandlungs- und Folgekosten, Arbeitsausfall) beziffert die DHS auf etwa 27 Milliarden Euro im Jahr 2007.

Alkoholrausch

Die Alkoholkonzentration wird im Blut gemessen und in Promille angegeben. Dabei ist die Blutalkoholkonzentration sowohl von der aufgenommenen Alkoholmenge als auch von der gleichzeitig aufgenommenen Nahrung sowie von Geschlecht und Körpergewicht abhängig. Ferner spielt die Geschwindigkeit, mit der der Körper den aufgenommenen Alkohol abbaut, eine wichtige Rolle.
Obwohl der Alkoholspiegel nach Zufuhr einer bestimmten Trinkmenge starken individuellen Schwankungen unterliegt und somit nicht exakt voraussagbar ist, lässt sich dennoch folgende Faustregel formulieren: Ein etwa 70 kg schwerer Mann hat nach einem Liter Bier oder einem halben Liter Wein einen Blutalkoholspiegel von ca. 0,5 Promille.

Deutliche Einbußen 0,5 Promille

In der Regel ist bei 0,5 Promille die Kritikfähigkeit bereits herabgesetzt, Hemmungen und allgemeingültige Verhaltensnormen werden leicht überwunden. Bei Blutkonzentrationen von 0,5 Promille ist die gesetzliche Grenze der Fahrtüchtigkeit erreicht. Bei Werten über 2 Promille entwickeln sich starke Rauschzustände, die bei steigender Konzentration in Bewusstlosigkeit mit Atemlähmung und Tod übergehen können.

Folgen von Alkoholmissbrauch

Beim Alkoholrausch treten weiterhin verminderte Denk- und Reaktionsfähigkeit, Koordinationsstörungen beim Sprechen und Gehen, Doppeltsehen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Schwäche, Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen, Drehschwindel, schwacher und schneller Puls und Untertemperatur auf.
Die psychischen Auswirkungen sind individuell und je nach Grad der Trunkenheit verschieden: von Euphorie, guter Laune, Aggression und Selbstüberschätzung bis Trägheit, Müdigkeit oder depressiver Stimmung.

Folgeerkrankungen bei chronischem Alkoholmissbrauch

Langfristiger Alkoholmissbrauch führt zu einer Vielzahl von Erkrankungen. Dazu gehören insbesondere:

  • Erkrankungen der Leber wie Fettleber, Alkohol-Hepatitis, Leberzirrhose und daraus resultierende Krampfadern der Speiseröhre
  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wie chronische Pankreatitis und Diabetes
  • Herz- und Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck und KHK (Koronare Herzkrankheit)
  • Stoffwechselerkrankungen wie Gicht
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts wie Speiseröhren- und Magenschleimhautentzündung (Ösophagitis und Gastritis) sowie Zungengrund-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs
  • Erkrankungen des Nervensystems wie das Wernicke-Syndrom (eine neurologische Erkrankung infolge eines Vitamin B1-Mangels), Demenz, Polyneuropathie sowie Störungen der Merk- und Denkfähigkeit
  • Erkrankungen der Muskulatur wie Herzmuskelschäden und die Zersetzung von Muskelfasern (Rhabdomyolyse)
  • sonstige Erkrankungen: Vitamin- und Mineralstoffmangel, Alkoholembryopathie in der Schwangerschaft, ein erhöhtes Risiko von Schlaganfällen und Hirnblutungen sowie eine gerötete Knollennase (sogenanntes Rhinophym).

Grenze zum Alkoholismus

Von Alkoholismus spricht man, wenn jemand länger als ein Jahr große Mengen Alkohol konsumiert, die Kontrolle über den Alkoholkonsum verloren hat und dadurch körperlich, psychisch und sozial geschädigt ist. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Alkoholismus und Behandlung von Alkoholismus.

Vorbeugung des Alkoholmissbrauchs

Sicher ist: Alkohol ist nur in geringen Mengen ein Genussmittel. In höheren Dosen ist er ein Rauschmittel und in jedem Fall ein Zellgift. Folgende Tipps können helfen, den Alkoholkonsum in Grenzen zu halten und Alkoholmissbrauch vorzubeugen:

  • Trinken Sie nicht, um Probleme zu vergessen.
  • Trinken Sie lieber in Gesellschaft als allein.
  • Bei Feiern schon vorher ein Quantum an Alkoholika festlegen, das Ihnen bekommt. Dies auch anderen mitteilen, damit Sie sich auch daran halten. Lassen Sie sich danach nicht zum Weitertrinken "überreden".
  • Gläser vor dem Nachschenken immer erst austrinken, zur besseren Kontrolle.
  • Bei jeder Feier einmal kurz die negativen Erfahrungen mit Alkohol durchdenken, solange Sie noch völlig nüchtern sind.
  • Nie unter Alkoholeinfluss Auto fahren. Wenn Sie sich diese vernünftige Regel selbst auferlegen, bleibt so manches Gläschen in der Flasche.

Autor: Christiane von der Eltz, Apothekerin; Dr. Regina Schick, Ärztin; überarbeitet von: 04/13 Charly Kahle; http://www.meine-gesundheit.de/alkoholmissbrauch-kater