Der Zigarette abschwören

Warum schaffen es manche Raucher, der Zigarette abzuschwören - andere aber nicht? Daran könnten Vorgänge in unserem Gehirn mitschuldig sein. Entscheidend sind offenbar Areale, in denen wir über uns selbst nachdenken.

Klar, die Gesundheitsfolgen des Rauchens sind hinlänglich bekannt. Innerhalb von Minuten schädigt der giftige Qualm das menschliche Erbgut. Doch ebenso bekannt wie die Gefahren sind die Schwierigkeiten vieler Menschen, das Laster aufzugeben. Schuld daran mag auch eine genetische Vorprägung sein. Forscher glauben nun aber eine Möglichkeit gefunden zu haben, zumindest die Erfolgsaussichten eines Anti-Raucher-Programms abzuschätzen.

Entscheidend ist demnach die Aktivität in bestimmten Gehirnregionen. Sie zeigt den Wissenschaftlern zufolge, ob ein Proband erfolgreich den Zigaretten entsagen kann - und zwar bevor der entsprechende Versuch überhaupt gestartet ist.

Forscher um Hannah Faye Chua von der University of Michigan in Ann Arbor berichten im Fachmagazin "Nature Neuroscience" von ihren Untersuchungen mit 87 Freiwilligen. Sie alle nahmen an einem speziell auf sie zugeschnittenen Entwöhnungsprogramm teil. Dieses Vorgehen gilt als - vergleichsweise - Erfolg versprechend. Einbezogen werden Lebensumstände, Bedürfnisse und Interessen des Probanden ebenso wie persönliche Probleme und Charakterzüge. Individuell ausgerichtete Botschaften sollen zur Selbstreflexion anregen - und dann zum Rauch-Stopp.

Die Wissenschaftler wollten nun wissen, ob diese Therapie tatsächlich Vorteile bringen kann - und ob diese Art der Entwöhnung tatsächlich eine höhere Erfolgsquote hat. Ihre These: Wenn die individuellen Botschaften dafür sorgen, dass die Raucher sich auf sich selbst konzentrieren, dann müssten durch die Programme auch die entsprechenden, für die Selbstreflexion verantwortlichen Regionen im Gehirn aktiv werden.

Veränderungen der Durchblutung im Gehirn untersucht.

Aus früheren Studien gab es bereits Hinweise darauf, wo diese Regionen liegen: im so genannten präfrontalen Cortex hinter der Stirn, im Precuneus, ebenfalls im Frontallappen, und im Zentrum des Großhirns, im Bereich des Gyrus cinguli, der zum Gefühlszentrum gehört. Diese Hirnareale untersuchten die Wissenschaftler mit funktioneller Magnetresonanztomografie. Dabei werden Veränderungen der Durchblutung im Gehirn sichtbar. Diese erlauben Rückschlüsse auf die Gehirnaktivität.

Die Probanden mussten in einer ersten Sitzung einen Fragebogen zu ihrer Gesundheit, ihrer Persönlichkeit und ihren Charaktereigenschaften ausfüllen. In einer zweiten Sitzung wurden sie mit dem Magnetresonanztomografen untersucht, während sie zwei Aufgabenblöcke gestellt bekamen: einen zur Selbsteinschätzung und einen, bei dem sie verschiedene Appelle anhörten, mit dem Rauchenaufzuhören. Dabei handelte es sich sowohl um allgemeine Botschaften als auch um individuell zugeschnittene Aussagen.

Nach den Untersuchungen nahmen die Probanden an einem Web-basierten individuellen Programm zur Raucherentwöhnung teil. Vier Monate später überprüften die Wissenschaftler dann, wer erfolgreich aufgehört hatte. Die Auswertung zeigte zweierlei:

Bei den individuell zugeschnittenen Botschaften wurden tatsächlich eher  Gehirnbereiche aktiviert, die auch für die Selbsteinschätzung genutzt werden.

Nicht alle Probanden reagierten gleich stark auf die Botschaften. Bei einigen war das  Aktivitätsmuster nur schwach ausgeprägt, bei anderen leuchtete es auf den Aufnahmen dagegen sehr deutlich auf. Genau diese Probanden sprachen besonders gut auf das folgende Programm an, das ebenfalls auf eine Verstärkung der Selbstreflexion zielte. Bei diesen  Menschen war die Wahrscheinlichkeit, auch nach vier Monaten noch abstinent zu sein, sehr viel größer als bei den anderen Teilnehmern.

 

    Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihr Verfahren dazu beiträgt, die Vorgänge im              Gehirn besser zu verstehen und damit noch erfolgreichere Programme zur                                                   Raucherentwöhnung zu entwickeln.

Vielleicht ist dieser Aufwand aber auch gar nicht nötig: Australische Forscher hatten im vergangenen Jahr herausgefunden, dass zwei Drittel bis drei Viertel aller erfolgreichen Ex-Raucher gar keine fremde Hilfe brauchten. In einer Meta-Studie hatten sie 511 Studien aus den Jahren 2007 und 2008 ausgewertet. Dabei stellten sie fest, dass Ersatzmittel oder psychologische Hilfe oft gar nicht nötig waren.

Der Öffentlichkeit werde allerdings das Bild vermittelt, dass Nikotinersatztherapien zum erfolgreichen Rauch-Stopp nötig seien. Das sei aber gar nicht der Fall, Raucher sollten weiter daran glauben, ganz ohne Hilfsmittel von der Zigarette loszukommen. Es sei nämlich nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich.

Aus: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/kampf-gegen-nikotinsucht-hirnscan-verraet-erfolg-von-rauchentwoehnung-a-747974.html

 

Zigaretten können Erbgut binnen Minuten schädigen.

Rauchen kann der Gesundheit schneller schaden als gedacht. In einer Studie mit zwölf Freiwilligen haben Toxikologen erbgutschädigende Substanzen schon 15 Minuten nach dem Zigarettenkonsum nachgewiesen. Die Forscher interpretieren dies als ernstzunehmendes Warnsignal.

Dass Rauchen der Gesundheit schadet, ist nicht neu. Es steht sogar in vielen Ländern der Welt auf Zigarettenschachteln. In den USA sind sogar regelrechte Schockbilder geplant. Die Zahlen erschrecken: Etwa 3000 Menschen sterben pro Tag weltweit an Lungenkrebs, dessen Hauptauslöser Zigaretten sind. Und für 18 weitere Krebsarten gilt der blaue Dunst als Ursache.

Wie schnell Gesundheitsschäden beim Rauchen eintreten können, haben jetzt Toxikologen von der University of Minnesota in Minneapolis untersucht. Stephen Hecht und seine Kollegen konzentrierten sich dabei auf die so genannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), jene Verbindungen, die erwiesenermaßen Lungenkrebs verursachen.

Bislang wussten Mediziner nur wenig darüber, wie schnell PAK im Körper verarbeitet werden. Die Verbindungen entfalten ihre erbgutschädigende Wirkung nämlich erst, nachdem sie im Körper neue Substanzen gebildet haben, die dann direkt die DNA angreifen.

Um die Geschwindigkeit dieser Prozesse messen zu können, präparierten die Forscher Zigaretten mit dem PAK Phenanthren, dessen Moleküle nicht aus gewöhnlichen Wasserstoffatomen, sondern aus Deuterium aufgebaut waren, einem stabilen Wasserstoff-Isotop. Den Weg dieser Isotope konnten die Forscher dann leicht Nachverfolgen.

"Studie ist einzigartig"

Zwölf Freiwillige rauchten die präparierten Zigaretten. Die Untersuchung der Blutproben zeigte, dass bereits 15 bis 30 Minuten nach dem Rauchen erbgutschädigende Substanzen im Körper der Probanden kursierten. Die Stoffe bildeten sich sehr schnell, schreiben die Forscher im Fachblatt "Chemical Research in Toxicology".

Die Studie zeige die augenblicklich negativen Wirkungen des Rauchens. Dies sollte allen eine ernste Warnung sein, die darüber nachdächten, mit dem Rauchen anzufangen, schreiben die Toxikologen. Der Effekt sei so schnell, dass man die schädigenden Substanzen auch direkt injizieren könnte.

"Diese Studie ist einzigartig", sagte Hecht. Zum ersten Mal habe man die Verarbeitung von PAK untersucht, die aus Zigaretten stammten, ohne dass es dabei Überschneidungen mit anderen Quellen wie der Luftverschmutzung gegeben habe.

Raucher, die angesichts solcher Erkenntnisse mit dem Dunst Schluss machen wollen, haben es trotzdem nicht leicht. Eiserne Disziplin allein genügt nämlich nicht, wie Forscher kürzlich herausgefunden haben. In einer Großstudie mit mehr als 140.000 Menschen zeigte sich, dass es auch von den Genen abhängt, wie leicht oder schwer jemand von den Kippen loskommt.

Aus:  http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/krebsrisiko-zigaretten-koennen-erbgut-binnen-minuten-schaedigen-a-739784.html