Ein historischer Tag

Ein historischer Tag

Wie war das am 9. September 1989. Die Mauer fällt – DDR ade. Deutschland wurde eins. Eine Einheit, Deutschland vereinigte sich so langsam und die Emotionen kamen auf. Was wird noch alles kommen? Wie werden wir weiterhin zusammen kommen um uns der Einheit klar zu werden.

„Erst mal anstoßen“, so dachte ich, um das Geschehen zu verarbeiten. Nein, verarbeiten war da nicht. Es war mehr anstoßen auf die Freiheit, welche wir doch nur durch erzählen kannten. Also doch ein Bier – und wieder eins und …. Das taten ja viele.

Welche Worte sprach Günter Schabowski? „Privatreisen nach dem Ausland können beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. Die zuständigen Abteilungen Pass- und Meldewesen der Volkspolizeikreisämter in der DDR sind angewiesen, Visa zur ständigen Ausreise unverzüglich zu erteilen, ohne dass dafür noch geltende Voraussetzungen für eine ständige Ausreise vorliegen müssen. Ständige Ausreisen können über alle Grenzübergangs-Stellen der DDR zur BRD bzw. zu West-Berlin erfolgen.“ Auf die Frage, ab wann dieses Gültigkeit hat, sagte Schabowski: „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich.“ Ein Schlag für die damalige SED- Regierung. Ein Bier tat es jedoch auch.

 Ich möchte hier keine Geschichte erzählen, weil diese doch bekannt ist. Aber darauf hinweisen, wie meine Gedanken kreiselten bei den damaligen Ereignissen. Da gab es schon viel zum anstoßen. Vor allem kamen dann die vielen Sorten Bier in unsere Läden. Erst musste mal die richtige Sorte gefunden werden und dann….

Damals in der Wendezeit hatte ich noch meinen Beruf als Schlosser. Da sah ich auch die Züge, welche von Prag über Dresden, Karl- Marx- Stadt (heute Chemnitz) und Plauen nach Hof fuhren. Die Reissenden winkten aus den Zügen und ich winkte zurück – nicht wissend, das dass verboten war. Woher auch? Beim Bier hat man es nicht erfahren. Oder hatte ich es nur nicht aus Gesprächen aufgenommen? Wer weiß das heute noch.

 Mein Alkoholkonsum stieg seit dieser Zeit langsam nach oben. Die Freude, Reisen zu können, wohin man wollte war zu groß und die 100 DM Begrüßungsgeld habe ich mir auch in Hof geholt. Ich freute mich genau so wie alle in der damaligen DDR darüber. Da Bier bekam mir gut und der Schnaps, der ab und an dazu kam wurde langsam immer mehr. Meine Arbeit verlor ich 1993. Die Arbeitsfreie Zeit hatte ich genutzt, um meinen Alkoholkonsum zu reduzieren. Langsam aber gewiss hatte ich schon den Gedanken, dass ich abhängig war.

Das durfte nicht sein, wollte wieder eine Arbeit suchen und das Saufen endgültig sein lassen. Na ja, wie das eben so ist im Leben. Man nimmt sich etwas vor und verschiebt es dann immer weiter vor sich her oder lies es ganz fallen. Doch Arbeit hatte ich wieder gefunden und wurde zwei Monate später wegen gutem Promillestand (was nicht in der Kündigung stand) entlassen. So entschied ich mich dann endgültig für eine Entgiftung – welche nicht die Letzte war. Erst nach der Zweiten ging es endlich bergauf und ich bin heute noch trocken. Im Januar 2015 werden es 21 Jahre. Bereut? Nein, das ist nie mein Gedanke. Wenn andere trinken, sollen sie – aber in maßen. Und ich – ich sauf mit, Selterwasser. Prost!

Trinke mit bedacht....nur lass das Saufen!