Entzugserscheinung

                                 Meine Entzugserscheinung
 

Hier möchte ich meine Entzugserscheinung erzählen, den ich im Krankenhaus zum ersten Entzug erlebt hatte. Es war einer der leichten Fälle, die man bei einem Alkoholkranken hat. Der Traum bei der zweiten Entgiftung war dagegen harmloser.

"....Ich wollte wieder einschlafen, doch irgendwann sah ich aus dem Fenster am Fußende in den Bäumen für jedes Blatt ein winziges Männchen, welche wie tanzende Bewegungen machten. Unzählige solcher Wesen, die aber von Mal zu Mal größer wurden und durch das Fenster herein wollten. Ich sah weg und zum anderen Fenster auf der rechten Seite. Auch dort dasselbe Treiben. Durch den Blickwechsel von Fenster zu Fenster waren an der Wandecke wie rote Streifen zu sehen. Man muss sich das so vorstellen, als würde ein Foto in der Nacht von fahrenden Autos gemacht. Dadurch entsteht dieser Streifen, wie ich ihn bei diesem Wechsel  sah. Rechts waren nicht allzu viele Blätter und deshalb weniger Männchen. Diese wuchsen jedoch immer mehr und langsam wurde mir unheimlich. Ich sollte doch klingeln, jedoch wollte ich warten. Ich lag auf dem Rücken wie erstarrt, bewegte meine Augen mit Blick an die Decke und sah auch dort diese Streifen. Was tun? Nein, warte noch und sah aus dem rechten Fenster. In der Astgabel, welche zu sehen ist, waren meine Frau und unser Kater Peter wie auf einem Freundschaftsbild deutlich sichtbar. Sie hatte Peter vor sich auf den Armen. Als wollten sie zu mir sagen, ´Wir sind bei Dir´.  Mir kamen die Tränen und ich wusste nicht, was mich noch erwartet. Ein solches Bild hatte ich noch nie gesehen und doch war es da. Aus dem Fenster am Fußende waren diese Figuren größer geworden und trommelten mit ihren Händen an die Scheiben. Ich sah wieder zu meinen Beiden, doch diese waren verschwunden. Wie es auch sein mag, aber das Bild werde ich nicht vergessen. Doch die Männchen waren jetzt an diesem Fenster deutlich groß geworden, dass ich fasst geschrieen hätte. Die Klingel in der Hand, mein Körper in Schweiß gebadet und das Bett feucht vom schwitzen, lag ich gelähmt darin. Nicht, dass die Männchen nur rein wollten, sie sahen furchteregend aus und lachten hämisch und laut. Wenn ich die Augen schloss, waren diese auch gegenwärtig, also nichts mit einfach nur schlafen. Immer wieder blickte ich von einem zu anderen Fenster, die Streifen waren noch da. Aber die Männchen, wie Wichtel aussehend, sind weniger geworden und kleiner. Nun wollte ich klingeln und ließ es doch in der Hoffnung, dass es nun besser und ruhiger wird. Ganz langsam verschwanden alle und ich drehte mein Deckbett von der verschwitzten Seite nach außen, damit ich wenigstens bis morgen etwas trocken lag. Ich kam mir selbst albern vor, doch egal war es nicht. Die Klingel legte ich aus der Hand, jedoch Griffbereit vor weiteren Attacken. Ein Kontrollblick verriet, dass diese Männchen sich langsam ´zurück zogen´ und ich vielleicht schlafen konnte. Doch mit geschlossenen Augen waren sie auch noch da. Ich weiß nicht, wie lange alles dauerte, doch irgendwann war ich eingeschlafen und früh zeitig, als die Schwester kam, sah sie, dass mein Bett immer noch feucht war. „Warum haben Sie nicht geklingelt!? Ich hatte gewartet und damit gerechnet!“ schellte sie mich. Ich erzählte kurz und sie sagte wieder: „Ich bin nicht umsonst für Patienten da“ und ich versuchte, ein kleines lächeln aufzusetzen, doch sie meinte weiter: „Bitte sagen Sie es der Ärztin, was sie erlebten“. Danach bekam ich die Kapseln und Wasser. Die Schwester ging, ohne mich noch einmal anzusehen, denn sonst hatte sie immer noch etwas auf Lager....."
 
Mehr war nicht zuschreiben, doch lesend ist hier nicht gerade das richtige Erlebnis dazu. Man kann sich das nicht so vorstellen, wie es erlebt wurde. Dieses Stück habe ich mir her kopiert, weil ich einiges aus meinem Alkohol- Leben aufgeschrieben habe - eben einen Lebenslauf. Ob ich ihn einmal veröffentlichen werde, wer weiß?