Jubiläum

Eine ruhige Zeit.


Wenn ich an die Tage nach dem 1. Krankenhausaufenthalt denke, wird mir doch etwas übel. Ich wollte ja nur eine Flasche am Tag trinken. So hatte ich mir das vorgenommen - nur kam es anders - ganz anders.

Es wurden zwei, dann drei Flaschen Bier und so ging es weiter. Nichts blieb, wie ich es mir wünschte. Dann noch Schnaps dazu - es reichte. Der nächste Krankenhausaufenthalt stand im Raum. Ich wusste, dass ich es tun muss - zumal der Druck nach Alkohol immer größer wurde.
Doch diese Entgiftung hatte es wirklich an sich. Selbst ich konnte es nicht gleich glauben. Es sollte die Endgültige - für immer anhaltende Entgiftung sein. Ich werde keinen Alkohol mehr trinken. So hatte ich es mir vorgenommen und es trat auch das ein, wie ich es mir wünschte. In einem Text hier in meinen Seiten habe ich es schon erwähnt, warum ich mir soooo sicher war, keinen Alkohol mehr anzurühren. In "Lebensveränderung" steht es geschrieben.

Meine Bitte ist, dass diese HP nicht nur für meine Erinnerung ist, sondern auch Andere animieren soll, sich vom Alkohol zu trennen, die es wirklich wollen. Es ist nicht einfach - das weiß ich. Doch ich merke, dass es auch ohne Alkohol geht. Seit dem 21.01.2018 bin ich wieder reicher an Erfahrung geworden, denn es ist das 24-ste Jahr meiner Alkoholkrankheit, dass ich trocken bin. Es macht mich stolz. Ja - stolz, weil ich das geschafft habe, was ich nie zu träumen wagte. Es geht doch und jeder kann es schaffen.

 

Viele klauben, dass es schwerer ist ohne Alkohol Konflikte und Probleme zu lösen - diese ertränken im Alkohol. Nein, Alkohol löst keine Probleme.

 

Alkohol löst keine Probleme,

Alkohol macht sie.

                          

Die Anfangsjahre des Nichtrauchens waren anstrengend und manchmal gemein zu mir. Da war immer der "Griff" zur Schachtel Zigaretten, obwohl diese nicht mal in der Nähe lag. Das gewisse etwas, wo es nach Nikotin gerochen hatte. Die Verführung allgemein beim Zigaretten- Gedanken. Man ist es ja gewohnt gewesen, zum Kaffee eine zu inhalieren. Beim Bier gehörte die Zigarette sowieso dazu.

Manche Kollegen konnten zu Feierlichkeiten Bier und Zigarren/ Zigaretten konsumieren und die nächsten Tage und Wochen auf alles verzichten. Das war mir bisschen zu hoch. Ich hatte doch auch nur dasselbe getrunken, geraucht und bei mir "hüpfte" das Herz schon bei dem Gedanken, Bier und Nikotin "einnehmen" zu können. Da war also der Drang zu hoch und konnte es nicht zurück halten.

Die 12 Jahre sind trotzdem selten mit Nikotinzwang vergangen. Einmal hatte ich einen Zug an der Zigarette gemacht und danach war mir spei übel. Die "Gülle" auf den Feldern ist dagegen Parfüm gewesen, um es mal zu vergleichen, wie die nächsten Tage danach vergingen. Das war mir eine Lehre - nicht wieder werde ich rauchen. Ich möchte damit  allen sagen, dass ich die nächsten 100 Jahre ganz bestimmt durchhalten werde.

 

Es sind wieder einige Jahre ins Land gezogen und diese Zeit ist wie im Flug vergangen. Am 21.01.1994 habe ich nach dem 2. Versuch das geschafft, was ich mir selbst nicht erträumt hatte, es jedoch geschafft habe. Weiterhin werde ich versuchen, trocken zu bleiben, was für mich eigentlich selbstverständlich ist. Die Zeit mit Alkohol werde ich nie vergessen, aber auch NICHT wieder an mich heran lassen. Diese Zeit war grausam, gehässig und gemein. Damit habe ich mir mein eigentliches Leben zerstört. Ich bin Wege gegangen, die mich immer tiefer reingeritten hatten. Meine Freunde waren in manchem Moment schon nicht schlecht, doch wenn man sie brauchte, waren sie nicht zu finden - keine Zeit, einfach weg. Der Alkohol hingegen wollte aber auch vernichtet werden, wo ich ja mitgeholfen hatte. Doch den gab es auch nicht umsonnst. Ich hatte mir selbst einiges kaputt gemacht, indem ich anderen gegenüber laut geworden bin, meine Meinung vertreten wotte, die auch nicht die Rechte war.

Die Zeit heilt alle Wunden. Ich bin aber mit allem zurecht gekommen und das ist gut so. Werde weiterhin mein Leben so leben, wie bisher und bleibe für den Alkohol unansprechbar - das soll heißen, ich bleibe trocken. Freunde habe ich heute kaum noch. Warum auch? Die Freunde von früher hatten anfangs gelästert, heute sind kaum noch welche davon am Leben. Ich habe meine Familie und das reicht mir. Leider bin ich auch von einer Krankheit in die "Mangel" genommen. Habe Diabetes Typ II und verbrauche dazu eben Pillen. Immerhin ohne Alkohol. Wäre schlimm, wenn es anders ist.

Andererseits - wenn ich so zurück blicke. Es war auch verdammt viel, was ich getrunken hatte. Fünf Flaschen Bier etwa und ein bis anderthalb Flaschen Schnaps (Goldbrand oder solchen Weinbrand- Fusel). Da wuste ich schon manchmal nicht, was ich am Tag vorher so angestellt habe. Manchmal war es mehr Bier, weil kein Fusel da war.

Auch in diesem Jahr 2019 war ich wieder in Bali, allerdings allein. Ich hatte wieder auf Bekannte gehoffft, aber nichts von dem. Es wird wohl niemand mehr geben aus meiner ehemaligen Gruppe 7. Oder sie denken so wie ich - ich fahre nicht mehr hin - aber der Gerd macht es trotzdem. Auch wenn er selbst keine Lust mehr hat, selbst Schuld.