Kontrolle für Zwei

Kontrolle für Zwei

 

Ich wusste genau, was ich bisher wollte und es war mein Ziel, es zu schaffen. Der Drang nach Alkohol verzog sich jedoch sehr schnell. Ich hatte mir fest vorgenommen, nach der Entgiftung im Krankenhaus einen Schlussstrich zu ziehen und es gelang mir sehr gut. Meine Gedanken kreisten damals noch zu sehr in der Vergangenheit umher - versuchten weiterhin Erinnerungen aufzufrischen. Es war jedoch zwecklos, weiter die Gedanken darüber zu verlieren - es musste ja auch so weiter gehen.

Das es auch ohne Alkohol geht, habe ich ganz gut gelernt und lernen müssen. Ich hatte keinen Bedarf, wieder rückfällig zu werden und alles vielleicht noch einmal von vorn zu beginnen. Ob ich es ebenso geschafft hätte, wieder aus dem Suchtmilieu heraus zu kommen? Ja, es ist der zweite Anlauf gewesen und habe mit Hilfe des Arztes es aus dem Krankenhaus diesen Weg geschafft. Nach der 12wöchigen Entziehungskur kümmerte ich mich um Arbeit, um den Alltagsstress der Arbeitslosigkeit abzubauen. Dazu kam endlich die Fahrschule für PKW und die Zeit für den Arbeitsweg verkürzte sich. Das war für mich viele Male der Grund, sich ins Auto zu setzen und nur ein Stück zu fahren um die Gedanken an den Alkohol ab zu bauen. Es klappte gut und hielt auch lange an. Dann kam eine Zeit, da war es manchmal sehr schlimm mit dem Alkohol. Immer wieder setzten sich meine Gedanken fast durch, ich sollte was trinken/ probieren. Doch ich setzte mich wiederum dem dagegen und besuchte meinen Hausarzt, der mir über die Krise sehr geholfen hatte. Das war etwa im 7./8. trockenem Jahr. Ich hatte mir ja selbst geschworen, meinen festen Wille und mein geheimes Gelöbnis - "Ich will keinen Trinker" durch zu setzen. Was ich nicht ganz verstand, war, was mein Hausarzt damit meinte, als er mir den Vorschlag machte, ich könne am Abend eine Flasche Bier oder ein Glas Wein trinken. Es sollte ja für die Gesundheit sein. Ich war strickt dagegen und ihm doch etwas böse über seine Äußerung. Ich kenne "das eine Bier" am Tag - dann wurde es zwei u.s.w.

In meiner Arbeit waren auch viele Reinigungsmittel mit Alkohol und ich musste damit fertig werden. Als Reinigungskraft in einer Firma und später als Hausmeister konnte man es nicht ganz weg lassen. Was soll´s, dachte ich, es muss weiter gehen. Wenn ich mir jedoch überlege, wie ich damals wegen jedem Tropfen Alkohol gerannt bin, das ist unbeschreiblich. Allerdings war es anderer Alkohol, als vorher genannt. Es ist kein gutes Gefühl, wenn man sich so sehen könnte. Heute denke ich anders darüber und lächle. Ich kann darüber reden und will allen helfen, dass sie auch den Weg aus der Sucht finden. Zu allem kam noch, dass ich noch Raucher war. Doch das sollte sich ändern.

 

Am 05.01.2006 sagte ich auch den Zigaretten den Krieg an. Was zur Entziehungskur in Bad Liebenwerda nicht zustande kam, musste jetzt von mir selbst in Angriff genommen werden. Ich hatte aber eine viel zu lange Abbauphase für mich angelegt. Das heißt, ich habe mich darauf vorbereitet, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Ich habe den Zigaretten- Konsum manchmal sehr trastisch eingeschränkt - von bis zu 40Stück/ Tag auf 5 - 10 Stück/ Tag. Ich habe nicht geklaubt, dass das geht. Dabei war das Gute - in der Wohnung nicht zu rauchen. Also raus dazu auf den Balkon, auch bei -20 Grad. Doch ein Raucher lässt sich ja nicht einschüchtern und nimmt auch Kältegrade in Kauf. In den letzten Monaten rauchte ich nur halbe Zigaretten und drückte den Rest aus, wobei auch die andere Hälfte weg war. So auch an diesem Abend, als ich wieder mal auf dem Balkon stand. Doch ich machte dieses Mal die Zigarette ganz spontan aus - mehr als die Hälfte war übrig - und sagte zu meiner Frau, dass es die Letzte war. Sie dachte aber, dass es für den Abend sei und musste die "schlechte Erfahrung" machen, dass ich am anderen Morgen und Tagen keine Zigarette anbrannte. Klar war es nicht einfach, so das Rauchen einzustellen. Doch ich wollte es und es musste sein. Hatte ich doch ganz spontan meinen Entschluss gefasst. Nach ein paar tagen machte ich mutwillig einen Zug an der Zigarette meiner Frau, den ich bis heute bereue. Die Zeit des Nichtmehrrauchens war anfangs stressig, denn es fehlte etwas in den Fingern. Ob es im Auto oder in der Freizeit war. Auch in den Werbepausen ging nun meine Frau alleine auf den Balkon. Anfangs bin ich noch mit raus gegangen, weil dies die Pausen besser überbrückte, aber es wurde immer weniger und ist nun allein draußen. Sie zu überreden, brachte bisher nichts. 

Mir geht es gut ohne Alkohol und fühle mich viel wohler ohne Nikotin. Es war ja auch nicht einfach, von beiden los zu kommen. Ich habe es aber mit großer Zeitspanne und viel Geduld geschafft. Es waren Tage dabei, welche mich manchmal verzweifeln ließen. Doch bis hierher habe ich es geschafft und möchte es jedem ans herz legen - hört auf mit den Glimmstängel. Wer es kann, sollte es auch versuchen, sich von der Sucht allgemein zu trennen.

Als "gestandener Nichtraucher" habe ich nun auch zugenommen und kann nicht klagen über 84 kg (vorher 64kg). Doch das ist im Fitness - Studio schnell wieder abgebaut. Macht aber auch Spaß.