Los kommen...

Loskommen in drei Phasen

Fehlt der Alkohol, gibt der Körper Vollgas: Während der Entgiftung können Entzugserscheinungen auftreten, die sogar lebensbedrohlich sind. Danach helfen Entzug und Entwöhnung, den Alkoholismus zu überwinden.

Der Weg, der aus der Alkoholabhängigkeit führt, ist eine steile Treppe mit vielen Stufen. Zwar gelingt es einigen Alkoholkranken, sich selbst ohne fremde Hilfe aus der Abhängigkeit zu befreien, aber für manche wäre das plötzliche Aufhören mit dem Trinken nicht nur zu hart, sondern sogar gefährlich.

Der erste Schritt sollte deshalb immer ein Besuch beim Hausarzt sein, empfehlen Sucht-Experten. Dieser stellt die Diagnose mit Hilfe konkreter Fragen zum Trinkverhalten und bestimmt die Leberwerte. Gemeinsam mit dem Arzt entscheidet der Alkoholkranke dann, ob der Besuch einer Beratungsstelle oder eine Einweisung in eine Entzugsklinik notwendig ist. Das Loskommen vom Alkohol geschieht in drei Phasen.

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Werden es am Wochenende auch mal mehr als ein bis zwei Drinks? Haben Sie am Morgen nach einer Party öfter Gewissensbisse? Testen Sie hier, ob Ihr Alkoholkonsum bedenklich ist. Ratgeber: Alkohol

Entgiftung

Am Beginn steht die körperliche Entgiftung. Diese dauert drei bis fünf Tage und kann stationär oder ambulant durchgeführt werden. In dieser Zeit wird der Alkohol weggelassen, was zu teilweise schweren Entzugserscheinungen führen kann. Dazu gehören beispielsweise Schwitzen, Zittern oder Gereiztheit, in Einzelfällen können die Entzugserscheinungen aber sogar lebensbedrohlich sein.

Karl Mann, ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim erklärt dies so: "Alkohol hat vor allem in höherer Dosierung spedierende Wirkung. Bei chronischem Konsum ist das wie ein ständiger Druck auf das Bremspedal im Auto." Bleibt der Alkohol plötzlich weg, fehlt die Bremse und der Körper gibt Vollgas.

Mit Hilfe von Medikamenten können Mediziner diese Umstellung des Körpers auf ein Leben ohne Alkohol erleichtern. Dazu gehören Antidepressiva und Beruhigungsmittel vom Typ der Benzodiazepine. Im Falle einer ambulanten Entgiftung wird der Patient normalerweise für etwa eine Woche krankgeschrieben.

Entzug

Auf die körperliche Entgiftung folgt die eigentliche Entzugstherapie, die in der Regel zwei bis drei Wochen dauert. Während dieser Zeit nimmt der Patient an Einzel- und Gruppentherapie teil, in der durch Gespräche versucht wird, den Wunsch nach Abstinenz zu festigen.

Verhaltens- und Arbeitstherapien helfen

Das Angebot im stationären oder ambulanten Entzug umfasst aber auch Entspannungs- und Bewegungstherapie sowie Arbeitstherapie. "Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass der frühe Beginn einer Arbeitstherapie sehr hilfreich sein kann, damit die Patienten wieder einen regelmäßigen Tagesrhythmus erlernen und Befriedigung durch Tätigkeit erfahren", sagt Sucht-Experte Mann.

In der Verhaltenstherapie lernen die Alkoholkranken, die Strukturen ihrer Abhängigkeit zu verstehen und ihr Handeln zu kontrollieren. Außerdem wird in dieser Phase der Kontakt zu Selbsthilfegruppen wie den Anonymen Alkoholikern, dem Blauen Kreuz oder dem Kreuzbund hergestellt.

Entwöhnung

Auch wenn die körperliche Abhängigkeit überwunden ist, bleibt eine psychische Abhängigkeit vom Alkohol oft lange Zeit bestehen. Deshalb schließt sich an die Entzugstherapie die Entwöhnungsphase als längerfristige Reha-Maßnahme an.

Diese dauert etwa 12 bis 16Wochen und muss bei der Rentenversicherung beantragt werden. Voraussetzungen für den Antrag sind unter anderem ein medizinisches Gutachten. In dieser abschließenden Phase wird eine Rückkehr in den Alltag vorbereitet und der Patient entwickelt mit Hilfe von Psychologen Strategien, um weiterhin abstinent leben zu können.

Regelmäßige Treffen mit Selbsthilfegruppen können auch langfristig unterstützen, da Betroffene sich hier über Erfahrungen, Probleme und Krisen austauschen können. Die Erfolgsaussichten einer Entzugs- und Entwöhnungstherapie hängen von der individuellen Motivation des Betroffenen ab.

Auch die Unterstützung aus dem sozialen Umfeld und die Dauer der Abhängigkeit haben Einfluss darauf, ob eine langfristige Abstinenz gelingt. Die Regenationsfähigkeit des Körpers, weiß Sucht-Mediziner Mann, ist allerdings erstaunlich gut. Nur muss auch der Wille stark genug sein.

Von Karin Janker /  http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/alkoholentzug-loskommen-in-drei-phasen-1.1688167

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Der Entzug

Alkoholentzug - Den Körper vom Gift befreien

Wer allerdings seit Monaten oder gar Jahren keine nüchternen Tage mehr kennt, muss mit starken Entzugserscheinungen rechnen. Diese Entzugserscheinungen können lebensbedrohlich sein und sind dringend behandlungsbedürftig. Nur mit ärztlicher Unterstützung können potentielle Risiken, z. B. ein Krampfanfall mit Bewusstseinsverlust oder ein Delirium, weitgehend ausgeschlossen werden. Bei einem geplanten Entzug ist der erste Schritt also immer der Gang zum Arzt.

Der ärztlich begleitete Entzug kann ambulant oder stationär erfolgen.

Ambulanter Entzug

Der ambulante Entzug ist auf zirka zwei Wochen angelegt. In der ersten Woche gehen Sie in der Regel täglich in die ärztliche Praxis, werden dort untersucht und erhalten bei Bedarf ein Medikament zur Linderung der Entzugserscheinungen. In der zweiten Woche finden die Arztbesuche im Rahmen des Alkoholentzugs jeden zweiten Tag statt. Wer an einer Entzugsbehandlung teilnimmt, erhält für diese Zeit eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Krankmeldung).

Stationärer Alkoholentzug

Ist Ihre Abhängigkeit sehr stark oder haben Sie große Angst vor dem Entzug, sollte dieser stationär im Krankenhaus durchgeführt werden. Es gibt Fachkliniken und psychiatrische Kliniken, die »qualifizierte Entgiftungen« durchführen. Speziell ausgebildete medizinische und pflegerische Fachkräfte überwachen nicht nur den körperlichen Entzug, sondern bieten auch begleitende Gespräche und weiterführende Informationen sowie manchmal die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe an.

Autor: https://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/alkoholabhaengigkeit/behandlung-therapie/der-entzug/


Erfolgreich den Alkoholkonsum reduzieren – so klappt es mit den guten Vorsätzen in 2016

„Stress vermeiden oder abbauen“, „Mehr Zeit für Familie und Freunde“ und „Mehr bewegen/Sport machen“ – das sind die TOP 3 der Vorsätze von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für das Jahr 2013, wie eine forsa-Umfrage im Auftrag einer Krankenkasse ergab.

Mehr als jeder Zehnte will in 2016 weniger Alkohol trinken

Immerhin 12 Prozent der 14- bis 29-Jährigen haben sich vorgenommen, im neuen Jahr weniger Alkohol zu trinken. Anlass genug, sich einmal intensiver mit der Frage zu beschäftigen, wie eine Reduzierung des Alkoholkonsums gelingen kann.

Vorweg an alle, die nichts von „guten Vorsätzen“ zum Jahresbeginn halten: Prinzipiell lässt sich das Vorhaben „Weniger trinken“ natürlich jederzeit angehen, nicht nur im Januar. Der Jahresanfang eignet sich allerdings unter anderem deshalb gut, weil in dieser Zeit viele Leute ihren Alkoholkonsum reduzieren wollen und man sich dann mit ihnen zusammenschließen kann. Außerdem ist der Januar natürlich ein einprägsames Datum, so dass man später im Jahr nicht lange rechnen muss, wie lange man seinen Vorsätzen schon treu geblieben ist.

Viele halten ihre Vorsätze durch

Die forsa-Umfrage macht ebenfalls Mut. Dort wurde nämlich auch gefragt, wie lange man sich im letzten Jahr (2015) an seine Vorsätze gehalten gehalten habe. Immerhin 43 Prozent der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen gaben an, dass sie ihre Vorsätze „länger als drei Monate oder bis jetzt“ durchgehalten haben.

 

Sieben Tipps für eine erfolgreiche Reduzierung des Alkoholkonsums

1. Schreibe die Gründe für dein Vorhaben auf

Aus welchen Gründen möchtest du weniger oder keinen Alkohol mehr trinken? Schreibe die Gründe auf ein Blatt Papier, am besten so konkret wie möglich. Diesen Zettel kannst du in schwachen Momenten hervorholen und nachlesen, warum es sich für dich lohnt, dranzubleiben. 

2. Analysiere dein Trinkverhalten

Am einfachsten geht das mit dem Alkohol Diary. Mit diesem Tool kannst du alle alkoholischen Getränke und die Situationen, in denen du getrunken hast, protokollieren. Du erhältst dann wöchentlich ein Feedback zu deinem Trinkverhalten. Extra-Tipp: Notiere eine Zeit lang jedes Getränk (auf einem Zettel oder in deinem Handy), bevor du es trinkst.  Durch das Aufschreiben wird der zumeist automatisierte Vorgang des Trinkens unterbrochen bzw. bewusst gemacht. Schon allein diese Maßnahme kann dazu beitragen, dass man weniger trinkt. Denn ist einem das Trinken erst einmal bewusst, kann man sich auch (bewusst) dagegen entscheiden.

3. Entwickle ein „mentales Bild“ von deinem Ziel

Viele Sportlerinnen und Sportler wenden diese Technik an, indem sie vor dem Start (des Spiels, Laufs etc.) die Bewegungsabläufe und verschiedene Reaktionsmöglichkeiten in Gedanken mehrfach durchspielen. Mal dir also aus, wie es sein wird, wenn du …

… erfolgreich Alkohol ablehnst

… am Morgen frischer aufwachst, weil du am Abend davor im Limit geblieben bist

… auf einer Party gute Gespräche führst, weil du mehr mit bekommst von deinen Freunden.

Achte darauf, dass es sich um positive Gedanken handelt, die du mit dem „Im Limit bleiben“ verknüpfst.

4. Suche Unterstützung

Gemeinsam geht es leichter – frage eine Freundin oder einen Freund, ob er / sie mitmachen möchte. Eine große Hilfe ist das Programm: „Change Your Drinking“. Es unterstützt dich dabei, dein Trinkverhalten erfolgreich zu ändern.

5. Erzähle anderen von deinem Vorhaben

Wenn deine Freunde Bescheid wissen, können sie dir helfen – oder sich dir gleich anschließen. Außerdem fühlt man sich seinem Vorsatz gegenüber stärker verpflichtet, wenn man ihn „mit anderen teilt“. 

6. Lege eine „Notfallkarte“ an

Ein kleiner Zettel mit Strategien für schwierige Situationen kann zum Retter in der Not werden. Was machst du zum Beispiel, wenn andere dich zum Trinken auffordern? Welche anderen Situationen können zur Herausforderung für dich werden? Und wie reagierst du am besten darauf? Schreibe mindestens drei solcher Notfall-Strategien auf deinen Zettel. 

7. Nicht erlaubt: „Verschieberitis“

„Prokrastination“ – so  nennen Psychologen es, wenn Menschen ihre Vorhaben immer wieder verschieben. Wenn zum Beispiel erst die Küche geputzt werden muss, bevor man sich an den Schreibtisch setzt, um für die Prüfung zu lernen. Also nicht auf die „perfekte Situation“ warten, um mit der Veränderung des Trinkverhaltens zu beginnen. Die gibt es nämlich nicht.

Übrigens: Für alle, die sich vorgenommen haben, in 2016 mit dem Rauchen aufzuhören, gibt es das Angebot „www.ohnerauchen.de/forum“ mit einem webbasierten Ausstiegsprogramm und vielen interaktiven Tools.

http://www.kenn-dein-limit.info/news/artikel/erfolgreich-den-alkoholkonsum-reduzieren-so-klappt-es-mit-den-guten-vorsaetzen-in-2013.html