Mein Leben

 

Ich weiß...mein Leben mit Alkohol

 

 Manchen Tag beginne ich in meinem Leben zu suchen, wo es eigentlich mit dem Alkohol angefangen hat. Die Frage kommt immer wieder. Wann habe ich begonnen zu "saufen"? Wie bin ich dazu gekommen? Hat man mich dazu verleidet? Waren es die falschen Freunde, der gesamte Umgang während der Lehrzeit? Oder war es einfach der Drang, es tun zu müssen um ein Mann zu sein?

Meine damalige Freundin Magitta hat mir mit wenigen Worten schon helfen wollen, dass ich Alkohol meide. Sie machte sich Gedanken um uns und den Alkohol - sie wollte verhindern, dass ich einmal "zur Flasche" greife. Diese Gedanken waren auch von ihr berechtigt. Wie sollte sie es erfahren, wenn uns etwa 70 Kilometer trennten? (Damals in der DDR- Zeit hatten wir noch kein Telefon wie heute, wo jeder einen Anschluss besitzt. Da gab es auch noch keine Handys.) Wenn ich ihr jedoch sagte, dass ich etwas getrunken hatte, durfte ich mir einen Satz anhören: " Ich will keinen Trinker"!  Waren das schon Vorzeichen, ein Omen, dass ich einmal zur Flasche greife? Hatte sie solche Gedanken? Eigentlich nicht, denn wir beide waren noch zu jung um solche Gedanken an Alkohol zu haben. Verstehen konnte ich sie sehr gut, dass sie sich Gedanken um uns machte. "Ich will keinen Trinker", "Ich will nicht, dass Du trinkst", "Du sollat doch nicht trinken" und wie man diese Worte noch formulieren kann, hörte ich viele Mal von ihr. Mit Recht? Damals verstand ich den Sinn  -  aber nicht die Bedeutung und die Auswirkung auf das weitere Leben. Ich sollte die Finger vom Alkohol lassen.
 
Die Freunde, mit denen ich oftmals zum Tanz war, sind auch nicht mehr da. Ich hatte Abstand von ihnen genommen, denn Freunde und Freunde sind zweierlei und mit jenen konnte es nur noch schlimmer werden. Wie kam es also, dass ich doch dem Alkohol verfiel? Hatte ich nicht auch alkoholfreie Zeiten? Die Gedanken an die Pkw- Fahrerlaubnis - waren es nicht unsere Wünsche? Manchmal überlegte ich, dass es besser für mich wäre. Wiederum schlug ich aber alles in den Wind. Ich konnte nur eins haben. Entweder die Fahrerlaubnis oder den Alkohol. Beides zusammen verträgt sich schlecht. Warum habe ich mich für den Alkohol entschieden? Die Anmeldung in der damaligen DDR war dafür einfach, doch wann bekam man die Chance, sie Fahrerlaubnis zu beginnen?
Ich weiß, dass war doch nicht meine Art! Ich wollte meist gleich alles richtig machen, wie mit dem Alkohol. Da war alles ok und der Tag ging prima, nur manche Nacht - oh, war das schlimm. Der nächste Tag war noch schlimmer, dass der Schädel brummte und die Laune auf Null ist. Es war ja nur der Bierrausch und ein, zwei „Schnäpslein“, oder mehr? Das weiß ich heute nicht mehr. Aber eins war mir klar, ich musste von dem Zeug weg - egal wie - aber weg.
Klar, ist doch einfach. Flasche austrinken, Leergut wegbringen - geht doch! Endlich trinke ich nur noch Alkoholfreie Getränke. Wie lange ich das durch gehalten habe, ist nicht der Rede wert. Meist schon ein paar Stunden, einen Tag, aber dann kam wieder was zum feiern oder ein Kumpel und die Sache war wieder komplett. Alkohol, Alkohol und nochmals Alkohol stand wieder auf der Tagesordnung bis - - ich hatte keine Lust mehr und trank wieder Limonade. Der eklige Nachgeschmack vom Bier am anderen Tag -  was erzähle ich das. Weiß doch fast jeder, wie das so ist.
Armeezeit, was war ich da zu spät in der Kaserne! Nie wollte die Kneipe mitgehen und der Weg war soweit! Wenn ich mal im Ausgang zu Hause war, ging alles gut. Eine Flasche Bier schon, aber dann nichts mehr. Wiederum habe ich das anderweitig nachgeholt. Zum Beispiel war ich zum Polterabend bei... nein, keinen Namen, und trank ganz schön. Dafür bekam ich aber ein paar Worte zu hören, welche ich schon kannte. Dieses Mal aber im straffen Ton! "Ich will keinen Trinker!". Ich hatte es mir vorgenommen und versprochen, nie wieder so zu trinken. Nur ein, zwei Bier, sonst nichts! Da ich aber noch Soldat war, war das im nächsten Ausgang schon wieder vergessen. Viele mal bin ich mit anderen in die Kneipe, um die Armee für kurze Zeit zu vergessen. Jedes Mal, wenn ich im Rausch war, vergaß ich alles um mich. Vergessen war, was ich versprochen hatte. Vergessen war, was ich nicht sollte. Vergessen war meine Freundin.
Alkohol ist doch eine verrückte Sache, die man erst begreift, wenn es zu spät ist. Manche meinen, dass es schon schön ist, einen "kleinen Affen" zu haben. Trotzdem würde ich jedem davon abraten. Warum? Schon kleine Mengen haben viele in den Alkoholismus getrieben. Auch dann, wenn sie es nicht wahr haben  wollten. Ich hatte immer wieder eins gewollt, weg vom Alk. Es ist mir nicht gelungen. Und wenn doch, war es nicht lange. Wenn es auch nur eine Flasche war, aber ich trank Alkohol und diese Flasche war schon zuviel. Manche guten Vorsätze habe ich in den Wind geschlagen. Wie oft habe ich mir gesagt: "Ab 1. Januar  trinkst Du nichts mehr", "Nach der Feier höre ich auf mit dem Alkohol", "Morgen wird nicht mehr getrunken". Geht nicht! Ging einfach nicht. Das Zittern ist erst nach der nächsten Flasche Bier oder dem Glas Schnaps am abklingen, aber nicht weg. Dann braucht der Körper erst wieder die richtige Pegel, einen Spiegel im Vergleich zum Vortag, damit dann die ruhige Hand da ist. Das sind die ersten Anzeichen für eine Ärztliche Behandlung. Ich kenne es sehr gut und ich weiß, wie ich mich zu verhalten habe. Schnell kommt der nächste Geburtstag oder ein anderer "Feiertag", wo wieder zugeprostet wird und noch mal und wieder.

Nie hatte ich glauben wollen, dass ich mal so tief falle. "Nein, ich bin kein Trinker!" dachte ich und musste das Gegenteil feststellen. Mein Problem bestand eigentlich nicht so sehr im Offiziellen, denn mein Bier trank ich meist zu Hause. 
Die Zeit des Entzuges im Krankenhaus werde ich nicht noch einmal erzählen, denn das findet man unter "Lebensveränderung" und habe es schon erwähnt. Die Ereignisse jedoch vergesse ich nie, zumal schon der Gedanke an den Satz "Ich will keinen Trinker" alles sagt. Ich habe viel durchmachen müssen, Erinnerungen wach gerüttelt und das gefunden, wie ich vom Alkohol weg komme - dass war mir schon die Mühe wert. Jetzt habe ich das wieder, was ich ein viertel Jahrhundert nicht mehr kannte. Das, was mir Magitta ins Gewissen reden und ich nicht begreifen wollte. Das, womit sie es immer gut meinte und mahnte. Das, wo ich heute weiß, ein besseres, gesünderes Leben führen zu können. Ich weiß auch, dass man aus Fehlern lernt. Dafür aber ist es manchmal zu spät. Reue ist zermürbend und geht ans Gemüht, doch wer nicht hören will, muss fühlen. Meine Gedanken an die Vergangenheit und die Zeit mit Alkohol ist nicht miteinander zu vergleichen. Es sind zwei Dinge, welche gegeneinander stehen. Niemand soll behaupten, ich würde beides vereinen, nur weil es hier so geschrieben steht. Nein, das Problem Alkohol ist ganz allein meine Sache, wobei die andere Seite mir nur helfen wollte.

Ich bin stolz auf diese Worte, den Satz, welcher mir seit dem 21.01.1994 geholfen hat, meine Trockenheit zu behalten. Seit diesem Zeitpunkt trinke ich keinen Tropfen Alkohol mehr, war zur Entziehungskur in Bad Liebenwerda, wo ich jährlich im September zum Ehemaligentreffen dabei bin. Doch auch kleine Erinnerungen kommen auf, welche mir erst recht helfen, meinen Willen zur Abstinenz durchzusetzen. Das ist ein Grund mehr, immer und immer wieder an die Worte von damals zu glauben.

 

 

Glaube an Wunder, Liebe und Glück!

Schau nach vorn und nicht zurück!

Tu was du willst und steh dazu;

denn dein Leben lebst nur du!

                                                                         Autor: unbekannt